Studie zur Gehirnbildgebung legt nahe, dass altersbedingter Hörverlust mit kognitivem Abbau verbunden ist
MRT-Befunde deuten darauf hin, dass altersbedingter Hörverlust mit Veränderungen in Hirnnetzwerken verbunden ist, die mit Gedächtnis und Aufmerksamkeit zusammenhängen.)
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Seit Jahren zeigen Bevölkerungsstudien, dass unbehandelter Hörverlust mit einem höheren Risiko für kognitiven Abbau und Demenz verbunden ist – so sehr, dass die 2024 Lancet Commission Hörverlust weiterhin zu den einflussreichsten modifizierbaren Demenzrisikofaktoren zählt. Schwieriger zu verstehen war die biologische „Brücke“ zwischen den Ohren und dem Gehirn.
Eine neue Studie in eNeuro von Forschenden der Tiangong University und des Shandong Provincial Hospital (China) schlägt eine mögliche Brücke vor: ein Funktionell-Strukturelles Verhältnis (FSR), das aus MRT-Messungen der Gehirnaktivität und des Volumens der grauen Substanz abgeleitet wird. Das Team berichtet, dass ein niedrigeres FSR in einer Handvoll Gehirnregionen mit schlechterem Hören, schlechterem Sprachverstehen und niedrigeren Ergebnissen bei kognitiven Tests bei Erwachsenen mit Presbyakusis (altersbedingtem Hörverlust) korreliert.
Studienmethoden und Ergebnisse
An der Studie nahmen 55 Erwachsene mit Presbyakusis (24 Männer, 31 Frauen) und 55 altersangepasste gesunde Kontrollpersonen (23 Männer, 32 Frauen) teil. Die Teilnehmenden waren 50-74 Jahre alt, und die Presbyakusis-Gruppe bestand überwiegend aus Personen mit geringgradigem oder mittelgradigem Hörverlust.
Die 55 Erwachsenen mit altersbedingtem Hörverlust (Presbyakusis) wurden mit den 55 vergleichbaren Erwachsenen mit normalem Hörvermögen verglichen. Alle absolvierten standardisierte Hörtests und einige kurze Denk- und Gedächtnistests und erhielten anschließend eine MRT-Gehirnuntersuchung. Anhand der Scans betrachtete das Team zwei Aspekte in bestimmten Gehirnbereichen: wie aktiv Gehirnregionen im Ruhezustand zu sein schienen und wie viel graue Substanz sie aufwiesen. Diese Messwerte kombinierten sie zu einem einzelnen Verhältnis (dem FSR), das widerspiegeln soll, wie gut Gehirnfunktion und Gehirnstrukturen übereinstimmen.
Die wichtigste Erkenntnis: In mehreren Gehirnregionen, die an der Verarbeitung von Schall/Sprache und am Denken auf höherer Ebene beteiligt sind, zeigten Menschen mit Presbyakusis tendenziell eine schwächere Übereinstimmung zwischen Struktur und Funktion. Schlechteres Hören und schlechteres Sprachverstehen gingen mit stärkeren Veränderungen dieser Gehirnmaße einher, und dieselben Veränderungen standen auch mit niedrigeren Ergebnissen bei Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsähnlichen Tests in Zusammenhang.
Der Erhalt der Hörgesundheit könnte zum Erhalt der Gehirngesundheit beitragen
Die Autoren argumentieren, dass Presbyakusis einen koordinierten Abbau sowohl der Gehirnstruktur als auch der Gehirnfunktion umfassen könnte und nicht nur ein „Ohrenproblem“ sei, und dass FSR letztlich für das Screening oder die Überwachung des mit Presbyakusis verbundenen kognitiven Risikos nützlich sein könnte.
„Die wichtigste Erkenntnis ist, dass der Erhalt der Hörgesundheit die Integrität des Gehirns schützen kann“, sagte der Hauptautor Ning Li in der Pressemitteilung der Society for Neuroscience. „Da Veränderungen des FSR sowohl mit Hörverlust als auch mit kognitivem Abbau korrelieren, könnte dieses Verhältnis letztlich als Biomarker dienen – als Werkzeug für Ärztinnen und Ärzte, um allein anhand von Gehirnscans zu erkennen, wer das höchste Demenzrisiko hat.“
Diese Studie deutet zusammen mit anderen auch auf eine ganzheitlichere Perspektive in der Hörgesundheitsversorgung hin. Beispielsweise fassten Glick & Sharma in einer Übersicht aus dem Jahr 2021 EEG-basierte Arbeiten zusammen, die zeigen, dass Erwachsene mit geringgradigem bis mittelgradigem altersbedingtem Hörverlust modalitätsübergreifende Rekrutierung und frontale Beteiligung aufweisen können und dass eine stärkere Reorganisation tendenziell mit schlechterer Leistung beim Sprachverstehen im Störgeräusch und schwächerer Kognition einhergeht. Darüber hinaus fand die Studie Hinweise darauf, dass gut angepasste Hörgeräte über mehrere Monate einen Teil dieser modalitätsübergreifenden Rekrutierung reduzieren oder umkehren und gleichzeitig das Sprachverstehen im Störgeräusch sowie mehrere kognitive Maße verbessern könnten. Dies scheint mit den Ergebnissen der neuen eNeuro-Studie übereinzustimmen: Hörverlust ist mit messbarer Reorganisation des Gehirns verbunden, die über klassische auditive Bahnen hinausgeht und mit Kognition verknüpft sein könnte.
Auf dem Weg zu neuen Biomarkern für Hörgesundheit und Gehirngesundheit?
Aufgrund der Methoden der eNeuro-Studie und der geringen Zahl an Teilnehmenden – ein Satz von Tests und eine MRT-Untersuchung zu einem einzigen Zeitpunkt für 55 Teilnehmende – können keine eindeutigen Schlussfolgerungen gezogen werden. Die Ergebnisse zeigen Zusammenhänge, können jedoch nicht beweisen, ob Hörverlust die Gehirnveränderungen verursacht, ob frühere Gehirnveränderungen sowohl zum Hören als auch zur kognitiven Leistungsfähigkeit beitragen oder ob ein anderer Faktor alle diese Aspekte beeinflusst. Die Verwendung von Daten zum Funktionell-Strukturellen Verhältnis (FSR) ist interessant, muss jedoch noch in größeren, vielfältigeren Gruppen validiert und daraufhin untersucht werden, ob es zukünftigen kognitiven Abbau vorhersagen kann (und nicht nur mit aktuellen Testergebnissen korreliert) sowie ob es auf Ebene einzelner Patientinnen und Patienten stabil und nützlich ist.
Dennoch legt die neue Studie eine spezifische, überprüfbare, gehirnbasierte Verbindung zwischen Hörmessungen und kognitiver Leistungsfähigkeit nahe und unterstützt die umfassendere Ansicht, dass Hörgesundheit für die Gehirngesundheit relevant sein kann. Wenn zukünftige Forschung FSR als zuverlässigen Marker bestätigt, könnte es Forschenden oder sogar klinisch Tätigen helfen, Menschen mit Presbyakusis zu identifizieren, deren Entwicklung der Gehirngesundheit steiler verläuft, und Maßnahmen zu empfehlen, die Hören und Kommunikation verbessern und dazu beitragen, die zugrunde liegenden Veränderungen in Gehirnnetzwerken zu stabilisieren.
QUELLE: Li, Fu, Wang, et al. und EurekAlert
Originalarbeit: Li X, Fu W, Wang F, et al. Funktionell-strukturelle Kopplung: Die Reorganisation des Gehirns bei Presbyakusis steht im Zusammenhang mit kognitiven Beeinträchtigungen. eNeuro. 2026 (Feb 16); DOI:10.1523/ENEURO.0294-25.2026
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Karl Strom
ChefredakteurKarl Strom ist der Chefredakteur von HearingTracker. Er war Gründungsredakteur von The Hearing Review und berichtet seit über 30 Jahren über die Hörgerätebranche.