Neuer NASEM-Bericht empfiehlt zentrale Ergebnismaße für Interventionen zur Hörgesundheit

Am May 14, 2025 veröffentlichte die National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine (NASEM) einen Konsensbericht, Measuring Meaningful Outcomes for Adult Hearing Health Interventions. Der Bericht und seine Empfehlungen sind notwendig, da die derzeitigen Methoden zur Messung und Berichterstattung klinischer Ergebnisse in der Hörversorgung äußerst uneinheitlich sind, wodurch beim Vergleich von Interventionen oder bei der Beurteilung ihrer Wirksamkeit unter realen Bedingungen eine „Äpfel-mit-Birnen“-Situation entsteht. Dieser Mangel an Standardisierung begrenzt nicht nur die Möglichkeit, Daten studienübergreifend zusammenzuführen, sondern birgt auch das Risiko, die Ergebnisse zu übersehen, die für Erwachsene mit Hörschwierigkeiten sowie für Forschende, Audiologinnen und Audiologen und andere Gesundheitsdienstleister am bedeutsamsten sind.

Der Ausschuss empfahl letztlich drei objektive und Selbstauskunftsinstrumente: den Words in Noise (WIN)-Test1 und den Fragebogen Abbreviated Profile of Hearing Aid Benefit (APHAB-Global Score)2 zum Verstehen von Sprache in komplexen Situationen sowie das Revised Hearing Handicap Inventory (RHHI)3 zur Messung der wahrgenommenen sozialen und emotionalen Auswirkungen hörbezogener Probleme.

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Der von einem 13-köpfigen Expertenausschuss unter Leitung von Dr. Theodore (Ted) Ganiats von der University of California, San Diego entwickelte Bericht enthält Empfehlungen zur Standardisierung der Ergebnismessung in der Hörversorgung für Erwachsene, mit dem Ziel sicherzustellen, dass Interventionen anhand dessen bewertet werden, was sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für klinisch Tätige am wichtigsten ist. Der Ausschuss setzte sich aus Expertinnen und Experten für Audiologie, Primärversorgung, Rehabilitation, Epidemiologie und Forschung zur Lebensqualität zusammen.

Ein NASEM-Webcast vom Montag, dem May 12, der von Dr. Ganiats moderiert wurde, fasst die Ergebnisse des Ausschusses zusammen.

Screenshot des NASEM-Ausschussvorsitzenden Dr. Theodore Ganiat (oben links), der eine Q&A-Podiumsdiskussion per Webcast leitet, in der der NASEM-Bericht „Measuring Meaningful Outcomes for Adult Hearing Health Interventions“ zusammengefasst wurde. Im Uhrzeigersinn folgen Senior Program Officer/Study Director Tracy Lustig sowie die Ausschussmitglieder Coleen Le Prell, Thomas Powers, Larry Humes und Catherine Palmer. Nicht abgebildete Ausschussmitglieder sind Kendall Campbell, Tamala David, Alean Jette, Uchechukwu Megwalu, Carla Perissinotto, Nicholas Reed, Sherri Smith und Fan-Gang Zeng.
Screenshot des NASEM-Ausschussvorsitzenden Dr. Theodore Ganiat (oben links), der eine Q&A-Podiumsdiskussion per Webcast leitet, in der der NASEM-Bericht „Measuring Meaningful Outcomes for Adult Hearing Health Interventions“ zusammengefasst wurde. Im Uhrzeigersinn folgen Senior Program Officer/Study Director Tracy Lustig sowie die Ausschussmitglieder Coleen Le Prell, Thomas Powers, Larry Humes und Catherine Palmer. Nicht abgebildete Ausschussmitglieder sind Kendall Campbell, Tamala David, Alean Jette, Uchechukwu Megwalu, Carla Perissinotto, Nicholas Reed, Sherri Smith und Fan-Gang Zeng.

Wie die Kernergebnisse identifiziert wurden

Der Ausschuss konzentrierte sich auf Ergebnisse im Zusammenhang mit der Wirksamkeit von Interventionen zur Hörgesundheit bei im Erwachsenenalter auftretenden Hörproblemen, insbesondere gängigen Verstärkungsgeräten wie Hörgeräten. Die Bewertung betonte bedeutsame distale Ergebnisse – etwa verbessertes Sprachverstehen bei Lärm oder ein gesteigertes soziales und emotionales Wohlbefinden – statt stärker proximaler Ergebnisse wie der Hörbarkeit, die interventionsspezifisch und schwer zu verallgemeinern sind.

Während die Praktiken zur Ergebnismessung in Forschung und klinischen Umgebungen stark variieren, arbeitete der Ausschuss unter der Annahme, dass eine solche Messung sowohl unerlässlich als auch fortlaufend ist. Seine Aufgabe bestand darin, zu empfehlen, welche Ergebnisse priorisiert und wie sie über ein breites Spektrum von Interventionen und Populationen hinweg gemessen werden sollten.

Um ein „Kern-Ergebnis-Set“ zu definieren, führte der Ausschuss eine umfassende Literaturrecherche durch, veranstaltete öffentliche Webinare mit Erwachsenen, die Hörschwierigkeiten erleben, und bat Kliniker und Berufsgruppen um Stellungnahmen. Drei Hauptkriterien leiteten die Auswahl der Ergebnisse:

  1. Das Ergebnis musste klar definiert und stark mit Hörschwierigkeiten verbunden sein;
  2. Es musste für Erwachsene mit Hörschwierigkeiten und ihre Kliniker universell bedeutsam sein;
  3. Es musste wichtig sein, über verschiedene Interventionsarten und Kontexte hinweg gemessen zu werden.

Die Ergebnisse wurden entweder als proximal (z. B. Hörbarkeit) oder distal (z. B. funktionale Kommunikation) kategorisiert. Der Ausschuss kam zu dem Schluss, dass die Überprüfung der Hörbarkeit zwar unerlässlich ist (z. B. mittels Audiogramm), jedoch zu kontextabhängig ist, um in das Kern-Ergebnis-Set aufgenommen zu werden.

Vom NASEM-Ausschuss empfohlene Instrumente zur Ergebnismessung

Personen und Organisationen, die an Interventionen zur Hörgesundheit beteiligt sind, sollten die folgenden Ergebnisse sowohl in der Forschung als auch in klinischen Umgebungen als Kern-Ergebnis-Set übernehmen:

  • Sprachverstehen in komplexen Hörsituationen
  • Hörbezogene psychosoziale Gesundheit

Zur Bewertung dieser Ergebnisse empfiehlt der Ausschuss eine Kombination aus objektiven Instrumenten und Selbstauskunftsinstrumenten:

  • Für das Sprachverstehen:
    • Words in Noise (WIN) test – ausgewählt aufgrund seiner psychometrischen Robustheit und Test-Retest-Reliabilität.
    • Abbreviated Profile of Hearing Aid Benefit (APHAB – Global Score) – ein Selbstauskunftsinstrument mit Schwerpunkt auf komplexen Hörszenarien.
  • Für die psychosoziale Gesundheit:
    • Revised Hearing Handicap Inventory (RHHI) – eine gestraffte Version des weit verbreiteten Hearing Handicap Inventory for the Elderly (HHIE), die ein zuverlässiges und zugleich praxisnahes Instrument zur Erfassung der wahrgenommenen hörbezogenen sozialen und emotionalen Auswirkungen bietet.

Der Bericht betont, dass diese einen Mindeststandard für die Ergebnismessung darstellen und andere Ergebnisse in bestimmten Kontexten weiterhin wertvoll sein können.

Ihre Aufgabe bestand darin, Kernmaße für Ergebnisse zu identifizieren, die die Lebenserfahrungen von Erwachsenen mit Hörschwierigkeiten widerspiegeln und zugleich die wissenschaftliche Strenge, Konsistenz und Vergleichbarkeit von Forschung und klinischer Praxis in der Hörgesundheit verbessern.

Empfehlungen und zukünftige Ausrichtungen

Der Ausschuss sprach zudem mehrere Empfehlungen aus, darunter:

  • Ausweitung der Forschung: Es ist mehr direkte Forschung erforderlich, um Ergebnisse zu identifizieren, die für Patienten am wichtigsten sind, über die üblichen Zufriedenheitsbefragungen hinaus. Dazu gehört die Entwicklung neuer oder überarbeiteter Messinstrumente, die individuelle Lebenserfahrungen besser widerspiegeln.
  • Psychometrische Verfeinerung: Weitere Validierung ist erforderlich, um die Sensitivität, Zuverlässigkeit und sprachübergreifende Nutzbarkeit bestehender Instrumente zu verbessern. Der Ausschuss forderte insbesondere die fortlaufende Weiterentwicklung des WIN test, die Untersuchung der QuickSIN- und Digits-in-Noise-Tests sowie den Einsatz der Item-Response-Theorie.
  • Umsetzungsstrategien: Um die Einführung zu fördern, empfiehlt der Ausschuss, die Kernmaße für Ergebnisse in elektronische Gesundheitsakten (EHRs) einzubetten, ihre Nutzung in Forschungs- und klinischen Erstattungsmodellen zu fördern und eine breite Verbreitung durch berufliche Fortbildungen und öffentliche Aufklärung sicherzustellen.

Der Bericht fordert außerdem nationale Gesundheitsbehörden wie NIH sowie das Department of Defense und VA dazu auf, ein zentrales Datenarchiv einzurichten. Dies würde Forschern und Klinikern ermöglichen, Ergebnisse zu vergleichen, Big-Data-Analysen zu unterstützen und Kernmaße im Laufe der Zeit auf Grundlage neuer Erkenntnisse anzupassen.

Ein Schritt zu mehr Konsistenz bei der Ergebnismessung

In einer Webinar-Präsentation am Montag, dem 12. Mai, die den Bericht zusammenfasste, betonte der Vorsitzende Dr. Ganiats, dass Ergebnismaße mehr leisten müssen als nur die Behandlung zu validieren; sie müssen die Auswirkungen in der realen Welt von Hörinterventionen auf das Leben der Menschen widerspiegeln. Der Ausschuss hofft, dass diese Arbeit den Weg für eine stärker patientenzentrierte Versorgung ebnen, strengere Vergleiche zwischen Behandlungen ermöglichen und letztlich die hörbezogene Lebensqualität von Millionen älterer Erwachsener verbessern wird.

Der NASEM-Bericht scheint somit ein Fortschritt dabei zu sein, die Hörgesundheitsversorgung stärker an Ergebnissen auszurichten, die zählen – nicht nur für Forscher, sondern auch für Menschen, die täglich mit Hörverlust leben.

Referenzen

  1. Wilson RH. Entwicklung eines Sprach-in-Mehrsprecher-Gemurmel-Paradigmas zur Beurteilung der Worterkennungsleistung. J Am Acad Audiol. 2003[Nov];14(9):453-470.
  2. Cox RM, Alexander GC. Das Abbreviated Profile of Hearing Aid Benefit (APHAB). Ear Hear. 1995 [Apr];16(2):176-86. PDF verfügbar unter: https://harlmemphis.org/wp-content/uploads/2020/06/14.pdf
  3. Cassarly C, Matthews LJ, Simpson AN, Dubno JR. Das Revised Hearing Handicap Inventory and Screening Tool basierend auf einer psychometrischen Neubewertung der Hearing Handicap Inventories für ältere Menschen und Erwachsene. Ear Hear. 2020 Jan/Feb;41(1):95-105. PDF von RHHI-S verfügbar.
  • Karl Strom

    Karl Strom

    Chefredakteur

    Karl Strom ist der Chefredakteur von HearingTracker. Er war Gründungsredakteur von The Hearing Review und berichtet seit über 30 Jahren über die Hörgerätebranche.