Neue Studie legt nahe, dass Tinnitus mit synaptischen Veränderungen im Gehirn zusammenhängt

Eine neue Bildgebungsstudie könnte die erste sein, die direkte in vivo-Belege dafür liefert, dass Tinnitus mit messbaren Veränderungen der synaptischen Dichte in mehreren Hirnregionen verbunden ist, darunter solchen, die an der auditiven Verarbeitung, Emotionen und kognitiven Funktionen beteiligt sind. Darüber hinaus scheinen sich die Veränderungen zwischen akuten und chronischen Stadien der Erkrankung zu unterscheiden.

Die Forschung mit dem Titel „Direct Evidence for Synaptic Density Changes in Tinnitus: ¹⁸F-SynVesT-1 PET Reveals Novel Targets Beyond Metabolic Changes“ wurde von JiaYu Zhong und Kollegen an der Central South University und der Hunan Normal University in China geleitet. Sie ist derzeit als heruntergeladenes Preprint im Social Science Research Network (SSRN) von Elsevier verfügbar, einem Server, der mit The Lancet zusammenarbeitet, und wartet noch auf Peer Review und Annahme zur Veröffentlichung.

Die synaptische Dichte steigt bei chronischem Tinnitus

Mithilfe eines spezialisierten PET-Bildgebungstracers namens ¹⁸F-SynVesT-1, der an ein synaptisches Vesikelprotein bindet und als Ersatzmaß für die synaptische Dichte dient, untersuchten Forscher die Gehirne von 28 Personen mit Tinnitus und 24 gesunden Kontrollpersonen. Die Teilnehmer unterzogen sich außerdem einer Standard-¹⁸F-FDG-PET-Untersuchung, die die allgemeine Stoffwechselaktivität misst, und wurden mittels EEG und MRT untersucht.

Sie stellten fest, dass Patienten mit chronischem Tinnitus eine erhöhte Aufnahme von ¹⁸F-SynVesT-1 aufwiesen — was auf eine erhöhte synaptische Dichte hindeutet — in 14 verschiedenen Hirnregionen. Dazu gehörten Hirnbereiche, die an der auditiven Verarbeitung, Emotionen und kognitiven Funktionen beteiligt sind. Nur eine Region — der linke untere Frontallappenwindung — zeigte eine verringerte Aufnahme.

Interessanterweise überschnitten sich diese Bereiche weitgehend mit Zonen eines erhöhten Stoffwechsels, wie sie in herkömmlichen ¹⁸F-FDG-PET-Untersuchungen sichtbar sind. ¹⁸F-SynVesT-1 zeigte jedoch ein breiteres und stärker differenziertes Muster von Veränderungen, was darauf hindeutet, dass diese Art von PET-Untersuchung ein empfindlicheres Instrument zur Beurteilung der Tinnitus-bedingten Neuroplastizität sein könnte.

Akuter Tinnitus zeigt den gegenteiligen Trend

Im Gegensatz dazu zeigten Patienten mit akutem Tinnitus eine Verringerung der synaptischen Dichte in fünf Hirnregionen. Diese Ergebnisse deuten auf einen bidirektionalen synaptischen Umbauprozess hin, bei dem das Gehirn zunächst synaptische Konnektivität verliert, bevor es in chronischen Stadien ein kompensatorisches Wachstum durchläuft.

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Das Ausmaß der synaptischen Veränderungen korrelierte auch mit dem Schweregrad des Tinnitus. Patienten mit höheren Werten im Tinnitus Handicap Inventory (THI) wiesen eine geringere synaptische Dichte in limbischen Strukturen auf, wodurch emotionaler Stress mit spezifischen neurologischen Veränderungen verknüpft wird.

Netzwerkreorganisation und EEG-Befunde

Zusätzlich zu den Ergebnissen der PET-Untersuchungen zeigte die Analyse der Hirnnetzwerke eine erhöhte funktionelle Konnektivität, insbesondere während der akuten Phase. Dies deutet darauf hin, dass das Gehirn auf Tinnitus mit einer weitreichenden Reorganisation reagieren könnte und sich möglicherweise an das anhaltende innere Geräusch anpasst.

Die EEG-Mikrozustandsanalyse — die zur Beurteilung der Dynamik großskaliger Hirnnetzwerke eingesetzt wird — zeigte bei Patienten mit Tinnitus erhaltene Veränderungen und bestärkt die Annahme, dass die neuronalen Auswirkungen im Gehirn weiter verbreitet sein könnten.

Bedeutung für Tinnitus-Forschung und Behandlung

Die neue Forschung gilt Berichten zufolge als die erste Bildgebungsstudie am Menschen, die direkte in vivo-Belege für synaptischen Umbau bei Tinnitus liefert, und bietet neue Einblicke darin, wie sich die Erkrankung im Laufe der Zeit entwickeln könnte.

Die unterschiedlichen Befunde zwischen akuten und chronischen Fällen stellen die Vorstellung von Tinnitus als statischer Erkrankung infrage; stattdessen unterstützen sie aufkommende Modelle, die maladaptive Neuroplastizität und eine Neuausrichtung der zentralen Verstärkung einbeziehen.

Der Einsatz von ¹⁸F-SynVesT-1 — einem neueren PET-Tracer, der zunehmend in der Alzheimer- und Epilepsieforschung verwendet wird — könnte zudem den Weg für neuartige therapeutische Strategien ebnen, die auf die synaptische Funktion abzielen, statt lediglich auf die allgemeine neuronale Erregbarkeit oder die auditive Wahrnehmung.

Es sollte berücksichtigt werden, dass PET-Tracer eine indirekte Methode zur Messung der synaptischen Dichte sind; obwohl sie in der Alzheimer- und Epilepsieforschung weit verbreitet sind und in Post-mortem- und Tierstudien stark mit der synaptischen Dichte korrelieren, liefern sie keine direkte Anzahl von Synapsen (d. h. anders als eine Zählung unter dem Mikroskop).

Studie wirft neues Licht auf Tinnitus als auditives UND neurobiologisches Problem

Die neue PET-bezogene Forschung könnte die Bedeutung erhöhen, Tinnitus als neurobiologische Erkrankung mit sich entwickelnden Veränderungen im Gehirn zu betrachten, statt als rein auditives oder psychologisches Problem. Durch die Identifizierung objektiver bildgebender Biomarker für Veränderungen der synaptischen Dichte könnte die Studie die Entwicklung gezielterer Behandlungen beschleunigen — und uns dem Verständnis der zugrunde liegenden Hirnmechanismen näherbringen, die diese oft stark beeinträchtigende Erkrankung aufrechterhalten.

Anmerkung der Redaktion: Diese Studie, die derzeit als Preprint verfügbar ist, hat noch kein Peer Review durchlaufen und sollte als frühzeitiger Beleg interpretiert werden, der weiterer Validierung bedarf.

Zitat der Preprint-Studie:
Zhong J, Xiao X, Liu B, He Z, Zhou M, Hu S, Zhou E, et al. Direkte Evidenz für Veränderungen der synaptischen Dichte bei Tinnitus: 18F-SynVesT-1 PET enthüllt neue Zielstrukturen jenseits metabolischer Veränderungen. SSRN. Juli 2025. Link zum PDF-Preprint verfügbar unter: https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=5353816

  • Karl Strom

    Karl Strom

    Chefredakteur

    Karl Strom ist der Chefredakteur von HearingTracker. Er war Gründungsredakteur von The Hearing Review und berichtet seit über 30 Jahren über die Hörgerätebranche.