WHO nimmt Hörgeräte in Empfehlungen zur Demenzprävention auf
Die neuen Leitlinien der World Health Organization empfehlen unter Vorbehalt Hörgeräte für Erwachsene mit Hörverlust als Teil der Strategien zur Verringerung des kognitiven Abbaus und des Demenzrisikos.)
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Die World Health Organization (WHO) hat erstmals Hörgeräte in ihre empfohlenen Strategien zur Verringerung des Risikos eines kognitiven Abbaus und einer Demenz aufgenommen, was eine bemerkenswerte Abkehr von ihren bisherigen Empfehlungen darstellt.
Die am July 15 veröffentlichte zweite Ausgabe der WHO-Leitlinien Risk Reduction of Cognitive Decline and Dementia (PDF hier verfügbar, siehe S. 60-63) besagt, dass Hörgeräte „Erwachsenen mit Hörverlust angeboten werden können“, um das Risiko eines kognitiven Abbaus und/oder einer Demenz zu verringern. Die Empfehlung wird als bedingt eingestuft, wobei die Gewissheit der Evidenz als niedrig bewertet wird.
WHO erkennt an, dass die Evidenzbasis für Hörgeräte wächst
Die Empfehlung stellt eine wichtige Änderung gegenüber den ursprünglichen Demenzrisiko-Reduktionsleitlinien der WHO von 2019 dar. Obwohl Hörverlust damals berücksichtigt wurde, sprach die WHO wegen unzureichender Evidenz keine Empfehlung zu Hörgeräten zur Demenzprävention aus. Die Organisation erklärt, dass die Evidenzbasis seit der Veröffentlichung dieser ersten Leitlinien erheblich gewachsen ist.
Risk Reduction of Cognitive Decline and Dementia: WHO guidelines, 2nd ed., S. 61...Angesichts der potenziellen Vorteile (die die Schäden wahrscheinlich überwiegen) sowie der globalen Belastung durch nicht behandelten Hörverlust und dessen Zusammenhang mit dem Demenzrisiko gab die GDG eine bedingte Empfehlung ab, dass Hörgeräte Erwachsenen mit Hörverlust angeboten werden können, um das Risiko eines kognitiven Abbaus und/oder einer Demenz zu verringern. Darüber hinaus fügte die GDG angesichts der weitreichenden Auswirkungen von Hörverlust einen Verweis auf bestehende technische WHO-Leitlinien zur rechtzeitigen Identifizierung und Behandlung von Hörverlust hinzu.
Die für die neuen Leitlinien geprüfte Evidenz umfasst Beobachtungsstudien, die darauf hindeuten, dass die Nutzung von Hörgeräten bei Erwachsenen mit normaler Kognition mit einem verringerten Risiko für Demenz und geringgradige kognitive Beeinträchtigung verbunden sein könnte.1-5 Die WHO betont jedoch, dass die Evidenz weiterhin unsicher ist, weshalb die Empfehlung bedingt und nicht stark ist (wie bei körperlicher Aktivität und Tabakentwöhnung).
Die WHO trifft außerdem eine wichtige Unterscheidung: Hörgeräte sollten eingesetzt werden, um Hörverlust zu behandeln, und nicht ausschließlich zum Zweck der Demenzprävention. Mit anderen Worten: Die neuen Leitlinien belegen nicht, dass Hörgeräte Demenz verhindern, erkennen die Hörversorgung jedoch als potenziell wertvollen Teil einer umfassenderen Strategie zur Risikoreduktion an.
Die WHO fand unzureichende Evidenz für den Einsatz anderer Hörinterventionen, etwa Cochlea-Implantate.
Hörgesundheit wird Teil umfassenderer Präventionsbemühungen
Die Empfehlung zu Hörgeräten ist Teil einer umfassenderen Aktualisierung, die die zunehmende Evidenz widerspiegelt, dass das Demenzrisiko durch veränderbare Faktoren beeinflusst werden kann. Die WHO erklärt, dass bis zu 45% des Demenzrisikos auf potenziell veränderbare Faktoren zurückzuführen sein könnten, und empfiehlt Strategien wie körperliche Aktivität, Rauchstopp, geringeren Alkoholkonsum, eine gesunde Ernährung, soziale und kognitive Teilhabe, die Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes und hohem Cholesterinspiegel sowie eine geringere Belastung durch Luftverschmutzung.
Für die Hörgesundheitsversorgung ist die Änderung bedeutsam. Obwohl die WHO deutlich davon entfernt bleibt zu sagen, dass Hörgeräte nachweislich Demenz verhindern, erkennt ihre neue Leitlinie die Behandlung von Hörverlust als potenziellen Bestandteil der Reduzierung des Demenzrisikos an – etwas, das die Organisation bei Veröffentlichung ihrer ersten Leitlinien im Jahr 2019 nicht empfehlen konnte.
Referenzen
- Haile LM, Kamenov K, Briant PS, Orji AU, Steinmetz JD, Abdoli A, et al. Hearing loss prevalence and years lived with disability, 1990-2019: Findings from the Global Burden of Disease Study 2019. Lancet. 2021;397(10278):996-1009.
- WHO. World report on hearing. Geneva: 2021.
- Griffiths TD, Lad M, Kumar S, Holmes E, McMurray B, Maguire EA et al. How can hearing loss cause dementia? Neuron. 2020;108(3):401-412.
- Yeo BSY, Song H, Toh EMS, Ng LS, Ho CSH, Ho R et al. Association of hearing aids and cochlear implants with cognitive decline and dementia: a systematic review and meta-analysis. JAMA Neurol. 2023;80(2):134-141.
- Yang Z, Ni J, Teng Y, Su M, Wei M, Li T et al. Effect of hearing aids on cognitive functions in middle-aged and older adults with hearing loss: a systematic review and meta-analysis. Front Aging Neurosci. 2022;14:1017882.
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Karl Strom
Editor in ChiefKarl Strom is the editor-in-chief of HearingTracker. He was a founding editor of The Hearing Review and has covered the hearing aid industry for over 30 years.