WHO-ITU startet neuen globalen Standard zur Prävention von Hörverlust bei Video Gamers und eSports

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Internationale Fernmeldeunion (ITU) veröffentlichten am 20. Mai einen neuen globalen Standard, um dem steigenden Risiko von Hörschäden durch Videospiele und Esports zu begegnen. Unter dem Titel Global Standard for Safe Listening, Video Gameplay and Esports richtet sich die Initiative an die mehr als 3 Milliarden Menschen weltweit, die Videospiele nutzen – viele von ihnen sind regelmäßig potenziell schädlichen Schallpegeln ausgesetzt.

Die Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen lauter Freizeitlärmbelastung nehmen zu, insbesondere bei jungen Menschen. Untersuchungen zeigen, dass 24 % der jungen Erwachsenen durch unsichere Hörgewohnheiten gefährdet sind und dass Videospieler im Vergleich zu Nichtspielern mehr als doppelt so häufig einen Hörverlust im Hochfrequenzbereich aufweisen. Kinder, die heute bereits in jüngerem Alter spielen, sind aufgrund ihrer geringeren Toleranz gegenüber lauten Geräuschen besonders gefährdet. Trotz dieser Risiken unterschätzen Spieler häufig den potenziellen Schaden, und bislang gab es keinen spezifischen Standard für Hörsicherheit in Gaming-Hardware oder -Software.

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Wichtig ist, dass der neue Standard darauf ausgelegt ist, die Hörgesundheit zu fördern, ohne die immersiven Aspekte des Videospielens zu beeinträchtigen. Die WHO betont, dass sich sicheres Hören mit dem Vergnügen, der Zusammenarbeit und der Kreativität, die Gaming bietet, vereinbaren lässt – und sollte. Spieler werden weiterhin umfangreiche Klanglandschaften und dynamische Effekte erleben können, jedoch mit zusätzlichen Werkzeugen zur Überwachung und Steuerung ihrer Schallbelastung. Das Ziel besteht nicht darin, das Erlebnis einzuschränken, sondern Nutzer dazu zu befähigen, es sicher zu genießen.

Der Standard wurde in einem kollaborativen und evidenzbasierten Prozess entwickelt. WHO und ITU führten eine systematische Überprüfung der wissenschaftlichen Literatur durch, befragten internationale Spieler, um Nutzerverhalten und Wahrnehmungen zu verstehen, und veranstalteten Treffen mit Experten und Interessengruppen aus den Bereichen Audiologie, Technologie und Spieleentwicklung. Erkenntnisse von Nutzern, Entwicklern und Hörexperten halfen dabei, eine Reihe von Funktionen zu gestalten, die wirksam, praktisch und benutzerfreundlich sind. (Vollständiger technischer Standard: ITU-T H.872 Document.)

Nachfolgend finden Sie eine zusammengefasste Übersicht des neuen Standards, aber HearingTracker empfiehlt, den Standard herunterzuladen und vollständig zu lesen.

Der neue Standard umfasst sowohl eGaming-Geräte als auch Gaming-Softwaretitel.
Der neue Standard umfasst sowohl eGaming-Geräte als auch Gaming-Softwaretitel.

Was der WHO-ITU-Standard abdeckt

Der neue WHO–ITU-Standard beschreibt ein umfassendes Set an freiwilligen Funktionen für:

  • Videospielgeräte: Konsolen, Handhelds, PCs und mobile Geräte sowie Peripheriegeräte wie Kopfhörer.
  • Videospielsoftware: Titel, die sowohl zu Hause als auch in kompetitiven Esports-Umgebungen gespielt werden.

Der Standard ist um drei Hauptziele herum strukturiert:

  1. Informieren von Gamern über ihre Schallbelastung.
  2. Warnen von Nutzern, wenn die Schallpegel sichere Grenzwerte überschreiten.
  3. Ermöglichen sicheren Hörens durch integrierte Funktionen – ohne das immersive Spielerlebnis zu beeinträchtigen.

Welche Funktionen für sicheres Hören enthalten sind

Der Standard enthält sowohl allgemeine als auch separate Empfehlungen für Gaming-Geräte und Videospielsoftware, darunter:

Für eGaming-Geräte

  1. Nachverfolgung der Schallbelastung (Dosimetrie)
    Geräte sollten die Schallbelastung der Nutzer messen und nachverfolgen sowie Rückmeldungen zu sicheren Hörschwellen geben.
  2. Benachrichtigungen zum sicheren Hören
    Rechtzeitige Meldungen sollten Spieler vor übermäßigen Schallpegeln oder langen Hörzeiten warnen.
  3. Lautstärkeregelungen & Kindersicherungen
    Geräte müssen intuitive Lautstärkeeinstellungen bieten, einschließlich Begrenzern und Kindersicherungen für die Nutzung durch Kinder.
  4. Kopfhörer-Sicherheitsmodus
    Wenn ein Gerät die Ausgabe zwischen Lautsprechern und Kopfhörern teilt, muss es die Lautstärke automatisch reduzieren, wenn Kopfhörer angeschlossen werden.

Für Videospielsoftware

  1. Warnhinweise zu Hörgefahren
    Spiele müssen integrierte Meldungen enthalten, die Nutzer über die Risiken lauter Geräusche aufklären.
  2. Regelungen für Gesamtlautstärke und Klangkategorien
    Spieler sollten die Lautstärke für Spieleffekte, Musik, Voice-Chat und andere Audioelemente separat anpassen können.
  3. Spielspezifische Sicherheitsfunktionen
    Entwickler werden dazu ermutigt, maßgeschneiderte Tools einzubinden, etwa Einstellungen für den Dynamikbereich, Tinnitus-Vertäubung oder die Reduzierung von Umgebungsgeräuschen.
  4. Softwarebasierter Kopfhörer-Sicherheitsmodus
    Wenn auf der Hardware keine Funktion zur Lautstärkereduzierung verfügbar ist, muss die Software die Lautstärke um mindestens 3 dB senken, wenn Kopfhörer erkannt werden.

Für beide

  • Alle Geräte und Spiele müssen in Benutzerhandbüchern, auf Websites oder in digitalen Hilfebereichen Richtlinien für sicheres Hören sowie Erklärungen zu sämtlichen Schutzfunktionen enthalten.

Wie der Standard genutzt werden kann

Der Standard ist freiwillig, doch WHO fördert eine breite Einführung in mehreren Sektoren. Hersteller und Entwickler werden dazu ermutigt, die empfohlenen Funktionen für sicheres Hören in ihre Produkte zu integrieren und Nutzern dadurch sicherere Audioerlebnisse zu bieten. Regierungen können eine Rolle spielen, indem sie die Richtlinien in öffentliche Gesundheitsstrategien oder formelle Gesetze aufnehmen, um ihre Bevölkerung vor schallbedingtem Hörverlust zu schützen. Darüber hinaus werden Verbraucherschutzgruppen dazu ermutigt, sich für die Aufnahme dieser Sicherheitsfunktionen in neue und bestehende Gaming-Geräte und Software einzusetzen.

Was kommt als Nächstes?

Da Gaming weiterhin an Popularität und Komplexität gewinnt, wird die Integration von Funktionen für sicheres Hören entscheidend sein, um das zu verhindern, was WHO als eine „Epidemie vermeidbaren Hörverlusts“ bezeichnet. Dieser neue globale Standard schafft die Grundlage für eine gesündere Zukunft, in der Gamer aller Altersgruppen immersive Klanglandschaften vollständig genießen können – ohne ihre Ohren zu schädigen.

  • Karl Strom

    Karl Strom

    Chefredakteur

    Karl Strom ist der Chefredakteur von HearingTracker. Er war Gründungsredakteur von The Hearing Review und berichtet seit über 30 Jahren über die Hörgerätebranche.