Die wichtigste Erkenntnis: Über mehrere Gehirnregionen hinweg, die an der Schall-/Sprachverarbeitung und höherwertigen Denkprozessen beteiligt sind, zeigten Menschen mit Presbyakusis tendenziell eine schwächere Übereinstimmung zwischen Struktur und Funktion. Schlechteres Hörvermögen und Sprachverständnis gingen mit erheblicheren Veränderungen in diesen Gehirnmessungen einher, und diese gleichen Veränderungen korrelierten auch mit niedrigeren Ergebnissen in Gedächtnis- und Aufmerksamkeitstests.
Die Erhaltung der Hörgesundheit könnte die Gehirngesundheit bewahren
Die Autoren argumentieren, dass Presbyakusis einen koordinierten Rückgang sowohl der Gehirnstruktur als auch der Gehirnfunktion beinhalten könnte, nicht nur ein "Ohrenproblem", und dass FSR möglicherweise irgendwann nützlich zur Screening oder Überwachung des Presbyakusis-bezogenen kognitiven Risikos sein könnte.
"Die wichtigste Erkenntnis ist, dass die Erhaltung der Hörgesundheit die Gehirnintegrität schützen kann", sagte Autor Ning Li in der Pressemitteilung der Society for Neuroscience. "Weil Veränderungen im FSR sowohl mit Hörverlust als auch mit kognitivenem Abbau korrelieren, könnte dieses Verhältnis irgendwann als Biomarker dienen – ein Werkzeug für Ärzte, um einfach durch Betrachtung ihrer Gehirnscans zu erkennen, wer das höchste Demenzrisiko hat."
Diese Studie, zusammen mit anderen, deutet auch auf einen ganzheitlicheren Ausblick auf die Hörheilkunde hin. Zum Beispiel fassen in einer 2021 Übersicht Glick & Sharma EEG-basierte Arbeiten zusammen, die zeigen, dass Erwachsene mit leichtem bis moderatem altersbedingtem Hörverlust eine Cross-Modal-Rekrutierung und frontale Beteiligung aufweisen können, und dass eine stärkere Umorganisation tendenziell mit schlechterer Sprachverständigung in Lärm und schwächerer Kognition korreliert. Darüber hinaus fand die Studie Hinweise darauf, dass gut angepasste Hörgeräte über Monate hinweg einen Teil dieser Cross-Modal-Rekrutierung reduzieren oder rückgängig machen könnten, während sie die Sprachverständigung in Lärm und mehrere kognitive Messungen verbesserten. Dies scheint sich mit den Ergebnissen des neuen eNeuro-Papers auszurichten: Hörverlust ist mit messbarer Gehirnumorganisation verbunden, die über klassische auditorische Pfade hinausgeht und mit Kognition verknüpft sein kann.
Auf dem Weg zu neuen Biomarkern für Hörgesundheit und Gehirngesundheit?
Aufgrund der Methoden der eNeuro-Studie und der kleinen Anzahl von Teilnehmern – ein Satz von Tests und ein MRT-Scan zu einem einzelnen Zeitpunkt für 55 Teilnehmer – können keine festen Schlussfolgerungen gezogen werden. Die Ergebnisse zeigen Assoziationen, können aber nicht beweisen, ob Hörverlust die Gehirnveränderungen verursacht, ob frühere Gehirnveränderungen zu beiden Hör- und kognitiven Leistungen beitragen, oder ob ein anderer Faktor alle beeinflusst. Die Verwendung von Functional-Structural Ratio (FSR)-Daten ist interessant, muss aber noch in größeren, vielfältigeren Gruppen validiert werden und getestet werden, ob sie zukünftigen kognitiven Abbau vorhersagen kann (nicht nur mit aktuellen Testergebnissen korreliert), und ob sie auf der individuellen Patientenebene stabil und nützlich ist.
Dennoch deutet die neue Studie auf eine spezifische, testbare gehirngestützte Verbindung zwischen Hörmessungen und kognitiver Leistung hin und unterstützt die breitere Ansicht, dass Hörgesundheit für die Gehirngesundheit relevant sein kann. Wenn zukünftige Forschung FSR als einen zuverlässigen Marker validiert, könnte es Forschern oder sogar Klinikern helfen, Menschen mit Presbyakusis zu identifizieren, die auf einer steileren Gehirngesundheitsbahn sind, und Interventionen zu empfehlen, die das Hörvermögen und die Kommunikation verbessern, um die zugrunde liegenden Gehirnnetzwerk-Veränderungen zu stabilisieren.
QUELLE: Li, Fu, Wang, et al. und EurekAlert